Agile Transformation

Agiles Management

War uns in einer Welt von “vuka” “agile” und “scrum” der Mensch verloren gegangen? Die wesentlichen Veränderungen geschehen in uns selbst und die Welt um uns herum spiegelt uns diese Veränderungen.

Agiles Management. Statt über agiles Management zu dozieren habe ich mich entschlossen, eine authentische Geschichte zu veröffentlichen, die Sie sonst nicht zu lesen bekommen. Die Geschichte eines Beraters, seiner Familie und seiner Vision. Aber alles der Reihe nach.

Wir möchten Unternehmer im Unternehmen

war die Aussage meines ersten Chefs gewesen, die mich im Februar 1999 dazu veranlasst gehabt hatte für ihn zu arbeiten. Die Zusammenarbeit währte ganze 11 Monate. In diesen 11 Monaten wurde ich hart aus vielen romantischen Vorstellungen über die Arbeitswelt gerissen.

  1. “Wir möchten Unternehmer im Unternehmen” war glatt gelogen, es hörte sich einfach gut an, um junge Hochschulabsolventen zu akquirieren. Und so stieß ich bald an Grenzen, die ich bist dato nicht kannte. Hätte er mir nur gesagt, was in ihm wirklich vorgegangen war, so hätte ich damit umgehen können. Es war die Angst, die ihn regierte, die Angst vor allem Möglichen, vor Kunden, vor Mitarbeitern und wahrscheinlich auch vor meiner unbedarften Art die Dinge anzugehen.
  2. “Ich vertraue niemanden, das musst du Dir erst erarbeiten”, sagte mein Teamleiter am ersten Tag zu mir.” Na toll, dachte ich und warum haben die mich dann eingestellt?

Das war der Moment, an dem ich bereits wieder innerlich gekündigt hatte und 11 Monate später verlies ich meinen ersten Job und war nicht wirklich wieder zurückgekommen in die Arbeitswelt. Zu sehr war ich mit mir beschäftigt gewesen und musste jetzt entscheiden, wie es mit mir weiter gehen würde.

Überforderung trifft es wohl am Besten. Ich war junger Diplom Volkswirt auf der Suche nach sich selbst und einer Menge Geld. Was lag da näher als die New Economie, die da gerade ihren 2. Hype feierte? Also rein da als Projektmanager und mitfeiern dachte ich mir. Wieder 11 Monate später war das Venture Capital aufgebraucht und ich hatte gesehen wie ein Haufen Geld investiert wurde, nur weil jemand den Hype (Internet) bediente, ohne ihn wirklich zu verstehen.

Wieder stand ich vor dem nichts und mir wurde klar der Dipl. Volkswirt und die Suche nach dem vielen Geld war gar nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern es war wie eine verlängerte Idee meines Vaters gewesen, die ich ungefragt übernommen hatte. Aber was sollte ich tun? Ich machte mich das erste Mal selbstständig und machte so ziemlich alles falsch als Jungunternehmer. Ich nahm zusammen mit einer Geschäftspartnerin einen Kredit auf, gründetet eine GmbH, mietete Büroräume und fühlte mich als Unternehmer, es gab nur einen Schönheitsfehler, wir hatten keine Kunden, also war es auch bald damit vorbei.

Ich stürzte in meine erste richtige Lebenskrise und erkannte, dass ich bist dato noch gar nicht herausgefunden hatte, was ich wirklich gut kann, was mich ausmacht. Ich war lediglich wie ein unbewusster Menschenautomat meinen Programmierungen aus Kindheit, Erziehung und Ausbildungen gefolgt, ohne Bewusstsein darüber wer oder was ich bin. An eine tief sitzende Programmierung kann ich mich noch heute gut erinnern:

Finde einen Job, den du gerade noch ertragen kannst, mit dem meisten Geld.

Das sollte das Berufsleben ausmachen, das kann nicht sein, schwor ich mir und fing an, mich selbst besser kennen und lieben zu lernen. Aus heutiger Sicht liegt hier der Ursprung für das, was wir “vuka” “agil” “scrum” auch Selbststeuerung nennen.

Es war alles schwarz um mich herum geworden, keine antrainierten Muster griffen mehr, ich fühlte mich allein, elendig verlassen von der Welt. Ich probierte alles mögliche, um mich zu finden. Fasten, exzessives Meditieren, Ausbildung im TaiChi. Zwei Dinge waren es schließlich, die mich da heraus führten, den Mut meine jetzige Frau zu heiraten und den Willen, keine Kompromisse mehr im Leben zu machen. Letztendlich gelang es mir doch noch, einen Sinn in meinem Dasein zu finden, er lag in meiner Fähigkeit mich selbst zu betrachten und dabei sehr feinfühlig meine Mitmenschen zu beobachten. Ich bemerkte meine ausgeprägte Fähigkeit, die verborgenen, oft aggressiven Gefühle hinter den lächelnden Minen zu lesen. Eine Fähigkeit, die mir angeboren war, für mich selbstverständlich, doch konnte ich sie in meinen ersten Lebensjahren nicht erkennen. Es fehlte schlichtweg jemand, der mich darauf aufmerksam machte, ein Spiegel. Den fand ich schließlich in meiner Ehe.

Agiles (Selbst-) Management

Agiles SelbstmanagementMit neuem Mut und Selbstbewusstsein ausgestattet fand ich einen Job, der mir wie auf den Leib geschneidert erschien, der des Trainer & Coaches. Ich hatte von da an nicht mehr das Gefühl zur Arbeit zu gehen, sondern ich tat einfach das, wofür mich die Schöpfung vorgesehen hatte. Ein unbeschreibliches Hochgefühl durchflutete mich, hatte ich nicht nur meinen Traumjob gefunden, sondern auch einen Chef, der mir meine zwei jährige Ausbildung zum Systemischen Berater finanzierte. Dann, wieder 11 Monate später wurde ich wegen finanziellen Gründen entlassen. Das war der Moment, an dem ich Evolution Management gründete und beschloss meinen eigenen Weg weiter zu gehen.

Ich machte meine Erfahrungen erst langsam und dann immer schneller und zwar so schnell, dass ich schon bald von meiner Familie nichts mehr mitbekommen hatte. 150 verkaufte Beratertage im Jahr, was kostet die Welt, dachte ich mir, bis mein Körper vor Erschöpfung zusammenbrach. Eine zweite existentielle Krise. Diesmal zerbrachen die Programmierungen und Vorstellungen eines “erfolgreichen” Beraters. Ich ging in die Angst hinein und sagte meinem größten Kunden ab. Ein große Last war von meinen Schultern gefallen. Jetzt auf einmal hatte ich wieder Zeit und entdeckte den wichtigsten Menschen an meiner Seite, meine Frau. Unsere zweite Tochter war gerade geboren und es war so, als käme mit ihr auch ein neues Bewusstsein in unsere Familie. Es brauchte Zeit und Behutsamkeit uns alle vier kennen zu lernen. Daraus erwuchs langsam der Wunsch die Großstadt Frankfurt zu verlassen. Mit der Einschulung meiner jüngsten Tochter zogen wir nach Mansbach ein tausend Seelen Dorf in Mitten der Rhön, eine Oase für Köper, Geist und Seele.

Doch schon bald zeichnete sich die dritte Krise ab, die finanzielle Situation wurde immer bedrohlicher und der Druck als Familienvater für meine Familie zu sorgen, zwang mich in die Knie. Mit lebensbedrohlichen Bluthochdruck wurde ich in die Notaufnahme eingeliefert. Diesmal zerbrachen die Programmierungen des Familienvaters, der allein die Last der Familie zu tragen gehabt hatte. Aus dieser Krise heraus fanden meine Frau und ich wieder zusammen, dieses Mal aber frei und gleichberechtigt auf Augenhöhe.

Die erste agile Beratung, mein Traumkunde

2017 kam dann mein Traumkunde, eine Führungskraft aus dem mittleren Management. Schon beim ersten Telefonat merkte ich, er meinte es ernst, er wollte etwas verändern für sich und sein Team. Keine Busswords und Managementphrasen, kein Taktieren am Telefon. Es war ein echtes und ehrliches Gespräch zwischen zwei Menschen, die etwas verändern wollten. Er hatte kein Budget für das, was er sich wünschte, nur den Willen, für sich und sein Team etwas zu unternehmen. Im Austausch miteinander fanden wir einen Weg. Doch weder ihm noch mir war klar, wie er aussehen würde, vielleicht dachte er, ich wüsste wo es lang geht, denn ich verstrahlte eine Zuversicht und Ruhe, so als wüsste ich es. Ich wusste nicht, was meinen Klienten erwarten würde, doch hatte ich im Laufe der Zeit ein Instrumentarium (Spiral Dynamics), sowie ein Gespür für den Prozess und die beteiligten Menschen entwickelt, das es mir ermöglichte, einen sicheren Rahmen für alle zu halten, in dem Entwicklung würde statt finden können.

Und, das ist es, was ich heute anzubieten habe, ein authentisches Beispiel, fernab von Konzepten und Ideologien, ganz gleich ob sie “vuka” “agil” oder “scrum” heissen. Ein Beispiel, was Andere im Kontakt dazu ermutigt, ihren eigenen Weg zu gehen und damit zu der Veränderung werden, die sie für sich und ihre Kunden wünschen.

Ich war meinen eigenen Weg gegangen, aus den Programmierungen heraus in ein freies Leben mit meiner Familie, an einen Ort der uns Sicherheit und Geborgenheit vermittelt. In ein Dorf (Mansbach), welches uns mit offenen Armen empfangen hatte. Es ist kein Leben mit abgesicherten Netzen und frei von Schwierigkeiten, aber es ist ein Leben mit zunehmenden Freiheitsgraden und einer Selbstbestimmtheit, die uns wieder an unsere Wurzeln des Miteinanders bringt. Noch niemals hatten wir so viel Besuch in unserem Haus, wie nach dem Umzug in die Rhön. Und unsere Vision, einen Ort der Transformation für viele hier zu erschaffen wirkt stärker und stärker, nur mussten wir unsere Vorstellungen davon, wie wir das erreichen würden, völlig über Bord werfen.

Es ist zu kurz gedacht, agil lediglich als weitere Methode im Unternehmen zu etablieren. Auf Wikipedia finden wir folgenden Text zum agilen Prozess: Ziel der Vorgehensweise ist es, den Softwareentwicklungsprozess durch Abbau der Bürokratie und durch die stärkere Berücksichtigung der menschlichen Aspekte effizienter zu gestalten.

Und der menschliche Aspekt (Verstand) fühlt sich zunächst äusserst unwohl, wenn er seine Sicherheiten verliert.

Agiles Management

2017-11-20T23:38:15+00:00 Von |1 Kommentar

Ein Kommentar

  1. Roland Mayer 8. November 2017 um 18:44 Uhr- Antworten

    Hallo Markus,
    mir gefällt die brutale Offenheit und Konsequenz mit der Du schreibst und Dich mitteilst.
    Ich hatte Dich und Deine Familie, ein Stück weit kennen lernen und eine Zeit lang begleiten dürfen.
    Diese Zeit hat mich sicher geprägt und wer weiß, was ich alles an unseren gemeinsamen Erkenntnissen in meine Arbeit, in mein Leben unbewusst einfließen lasse. Mit den Begriffen “vuka”, “agil” und “scrum” kann ich nichts anfangen (ist mir zu komplex), aber ich verstehe, erahne, was dahinter steckt. Wir brauchen einen Hauch von Struktur um uns über die überraschenden Momente noch mehr freuen zu können. Wir brauchen den Anschein von Ordnung um das Gefühl zu haben, dass wir lenken und den Überblick haben. Doch die wahre Wirkung kommt aus dem Inneren, welches uns Zugang zur Fähigkeit die richtigen Entscheidungen zu treffen verschafft. Die Basis bietet eine gewisse Erdung, die uns zu allererst eine stabile Beziehung zu unserer Familie und Ehefrau verschafft. Deshalb freue ich mich, dass Du diesen Weg weitergegangen bist. Roland

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